Kaffee kaufen: Die Bohnen-Mischung machts So erkennst Du guten Kaffee

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Kaffee ist nicht gleich Kaffee. Diese Erfahrung hat jeder Kaffeetrinker wahrscheinlich schon einmal gemacht. Aber worauf sollte man eigentlich achten, wenn man einen wirklich guten, aromatischen Kaffee möchte? Muss es immer ein teurer Kaffee sein oder tut es auch ein billiger bzw. wo sind eigentlich die Unterschiede? In diesem Ratgeber kläre ich, worauf man achten sollte, wenn man einen guten Kaffee kaufen will.

Auf dem Weg vom Kaffeestrauch, über die Ernte, bis hin zur leckeren Tasse Kaffee liegen eine ganze Menge Arbeitsschritte. Jeder von diesen Arbeitsschritten ist für sich wichtig und entscheidet letztendlich darüber, ob man einen aromatischen, milden oder unangenehm bitteren Kaffee in der Tasse hat. Leider ist es dem Verbraucher nur bedingt möglich, die Qualität der einzelnen Schritte abzuschätzen. Die meisten Arbeitsschritte der Kaffeeherstellung finden schlicht weg im Verborgenen statt.

Aber was kann man da als Verbraucher machen. Besonders wenn man wie ich zu den Menschen gehört, die den Geschmack des schwarzen Muntermachers nicht dem Zufall überlassen möchten? Mein erster und wahrscheinlich wichtigster Tipp für alle Kaffeefans wäre, auf die Herkunft und Sorte der Kaffeebohne zu achten.

Vom Anbau bis zur Ernte der Kaffeebohnen

Wie erwähnt, hat so eine Kaffeebohne bereits eine Menge erlebt, wenn sie ihr tolles Aroma als schwarzes Heißgetränk in unserer Tasse entfaltet. Sofern Du Dir einen genaueren Eindruck davon machen möchtest, wie aufwendig die Kaffeeherstellung ist und wie viele Arbeitsplätze daran hängen, empfehle ich Dir die Dokumentation: Die Reise des Kaffees, die vor ein paar Jahren mal auf 3sat gelaufen ist. In der Mediathek ist diese Dokumentation zwar nicht mehr zu finden, aber ich habe sie für Dich auf YouTube gefunden ( 4 Teile von ja ca. 15 Minuten ):

Die Kaffeebohne ist der Samen der Pflanzengattung Coffea. Es gibt 124 verschiedene Arten. Die meisten Deutschen kennen aber lediglich zwei Sorten: Arabica-Kaffee und Robusta-Kaffee. Wegen ihrem Aussehen und der roten Färbung der Kaffeebohnen nennen man so eine Bohne auch häufig Kirsche, bzw. Kaffeekirsche.

Kaffeesorten (Anbaugebiete)

Obwohl es 124 verschiedene Sorten gibt, kommen also lediglich zwei Kaffeesorten in die Regale der Händler. Die Bohne des Arabica, prägt mit ca. 60 Prozent Anteil im gesamten Welthandel die wichtigste Sorte. Sie wächst im Hochland von Mittelamerika, Kolumbien, Kenia sowie einigen anderen Nationen. Die zweite wichtige Bohne, die Robusta, ist die ertragreichste Kaffeesorte. Da Robusta ertragreicher ist, ist diese Kaffeebohne auch um einiges günstiger als die Arabica-Bohne.

Unterschiede der Bohnen: Die günstige Robusta-Kaffeebohne hat einen leicht erdigen, geschmacklich wenig abgestuften Geschmack. Sie wird vor allem für Espresso verwendet. Der Grund hierfür ist, das diese Bohne für eine stabile, goldbraune Schaumschicht, die Crema, sorgt. Die Arabica-Bohne hat dagegen einen milderen, nuancenreicheren Geschmack und enthält deutlich weniger Koffein als der Robustakaffee. Die Arabica-Bohne wird oft für Filterkaffee verwendet. Ein hoher Anteil an Arabica-Kaffeebohnen spricht für eine entsprechend gute Qualität des Filterkaffees – eine Qualität die man schmecken kann. Aus diesem Grund werben viele Hersteller von hochwertigen Kaffeemarken auch mit 100 Prozent Arabica. Laut Test der Stiftung Warentest und Ökotest (siehe Quellen 2. und 3.) halten diese Hersteller auch ihre Versprechen und man bekommt hier reinen Arabica-Kaffee.

Neben den beiden erwähnten Sorten werden in einigen Ländern auch noch kleinere Mengen der Kaffeesorten Liberica und Excelsa angebaut.

Als Verbraucher hat man bei der Wahl der Kaffeebohne ein leichtes zu entscheiden, was in die Tasse kommt. Für einen guten Espresso sollte man Robustakaffee nehmen und für einen guten Filterkaffee Arabica. Allerdings ist nicht nur die Sorte entscheidend. Es gibt nämlich bei den Bohnen sehr große Qualitätsunterschiede.

Die Ernte der Kaffeebohnen

Ein sehr großer Qualitätsunterschied, den ich als Verbrauch nur schwer erkennen kann, liegt bei der Ernte der Bohnen. Denn bereits bei der Ernte der Kaffeebohne gibt es die ersten Faktoren, welche entscheiden ob die Kaffeebohne ein guter oder schlechter Kaffee wird. Besteht die Ernte aus saftigen, frischen Bohnen, wird man hieraus einen sehr guten Kaffee herstellen können – diesen Kaffee bekommt meist in speziellen Shops oder auch Feinkostläden. Sind jedoch viele Bohnen bereits ausgetrocknet (man erkennt das ein der Größe und dunklen Färbung der Bohne) wird man daraus keinen guten Kaffee mehr rösten können. Während die dunklen Bohnen zu spät geerntet wurden, gibt es auch noch Ernten mit vielen grünen Bohnen. Diese grünen Bohnen sind noch nicht wirklich reif. Die Kaffees aus den beiden zu Letzt genannten Ernten bekommt man für wenig Geld, da der Kaffee aufgrund der Erntefehler viele Fehler aufweist. Dies Kaffeebohnen findet man häufig in den günstigen Mischungen beim Discounter und Supermärkte.

Da man als Verbraucher auf den Punkt der Erntequalität wenig Einfluss hat, bleibt einem hier nur die Möglichkeit, die Bohnen von einer Marke des persönlichen Vertrauens zu kaufen oder direkt zu einen Fachhändler des Vertrauens zu gehen. Am deutlichsten erkennt man die Qualität der Kaffeebohnen wohl am Preis. Man wird für wenig Geld keine Spitzenqualität kaufen können.

Wenn man sich einmal vor Augen führt, das die Vielfalt der Geschmacknuancen beim Kaffee durchaus mit denen von Wein zu vergleichen ist, sagt die Tatsache, das 21 von 31 Kaffees im Test der Stiftung Warentest (Quelle 2.) fast gleich schmeckten, über die Erntequalität bzw. den Zeitpunkt der Ernte eine Menge aus – bei Handelsüblichen Kaffee scheint diese demnach trotz unterschiedlicher Marke ähnlich zu sein. Wer einen besonderen Kaffee, mit einer guten Bohnenqualität haben möchte, wird um den Einkauf in einem Fachhandel kaum drumherum kommen.

Auf Kaffeesorte und Mischung kommt es an

Es gibt ein recht überschaubare Anzahl an Kaffeekenner, die auf absolute Sortenreinheit wert legen. Also gleiche Bohnensorte sowie gleich Herkunft. Die meisten Kaffeetrinker bevorzugen dagegen eine Mischung aus Bohnen mit unterschiedlicher Herkunft. Durch das Mischungsverhältnis und das Röstverfahren lässt sich der Geschmack des Kaffees stark beeinflussen. Allerdings ist hier nicht unbedingt die Qualität sondern viel mehr der persönliche Geschmack und regionale Vorlieben das ausschlaggebende Kriterium.

Ein Kaffee aus Süditalien schmeckt z.B. weniger bitter als die Kaffeemischungen aus Norditalien. Kaffees, die nach süditalienischer Art gemischt sind enthalten allerdings einen geringeren Anteil an den teuren Arabica-Bohnen ( was ja ein Qualitätskriterium ist). Bei Mischungen aus Norditalien beträgt der Anteil der günstigen Robusta-Bohne meist unter zehn Prozent.

Die großen Kaffeeröster wie Dallmayr, Melitta, Jacobs und Lacazza verkaufen in Deutschland Mischungen mit unterschiedlicher Bohnenqualität und Bohnensorte. Die Röstung und Mischung dieser Kaffees ist darauf ausgerichtet, das ein Espresso und Kaffee eine helle Crema und ein ausgeprägtes, vollmundiges Aroma aufweist. Die Bohnen für diese Kaffees stammen meist aus Athiopen, Costa Rica, Kolumbien, Guatemala oder aus Brasilien.

Letztendlich zählt bei der Mischung der persönliche Geschmack mehr als die Qualität. Aber auch hier kann man sagen, das aus man aus schlechten Kaffee keine gute Mischung zaubern kann.

Das Rösten der Kaffeebohne

Das größte Problem beim Rösten von Kaffee ist die Tatsache, dass jede einzelne Bohne eine andere Dichte und einen anderen Feuchtigkeitsgehalt hat. Somit bräuchte jede Bohne eigentlich eine ganz eigene Rösttemperatur und eine ganz eigene Röstdauer. Das ist in der Praxis natürlich nicht möglich. Warum erzähle ich Dir das? Ganz einfach: Genau dass ist der Grund, warum Kaffee von kleinen Röstereien geschmacklich deutlich besser ist, als der von Herstellern, die in großen Mengen rösten. Je größer die Menge ist, um so schwieriger wird es nämlich, die Werte für das Rösten einzustellen. Die Bohnen haben hier einfach nicht die Möglichkeit, ihre knapp 900 Aromastoffe voll zu entfalten.

Für mich als Verbraucher bedeutet dies, dass ich einen sehr guten Kaffee nur schwerlich im Supermarkt bekommen werde. Hier finde ich meist nur Kaffee von großen Hersteller, die hier einen Kaffee für Massen anbieten. Wer sich also etwas richtig Gutes gönnen will, sollte sich den Kaffee für besondere Gelegenheiten von einer kleinen Rösterrei besorgen. Wobei auch die Premium-Kaffees der großen Hersteller ein tolles Aroma besitzen. Aber auch diesen Kaffee wird man im Supermarkt selten antreffen. Ich will damit aber nicht sagen, dass Kaffee auch dem Supermarkt schlecht sei. Wenn Du einfach nur einen guten Kaffee für das „Nebenbeitrinken“ suchst, würde ich einen guten Markenkaffee aus den Supermarkt nehmen.

Die Frische des Kaffees

Der letzte wirklich wichtige Punkt für einen guten Kaffee ist die Frische des Kaffees. Da hilft es auch nichts, die Bohnen in eine Vakuumverpackung zu stecken. In einer Studie der Universität Wien hat man folgendes festgestellt: Nach neun Monaten schmeckte der Kaffee bereits weniger intensiv. Nach 18 Monaten bekam der Kaffee sogar eine ranzige Note.

Natürlich denkt sich jetzt jeder, da kaufe ich mir einfach ganz frischen Kaffee. Beim kauf im Supermarkt kann man aber leider nicht wissen, wie frisch der Kaffee ist. Hier findet man nämlich auf der Packung meint nur ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Dieses Datum legen die Hersteller selbst fest und es kann zwischen sechs und 24 Monaten liegen. Wie lang die Röstung nun her ist, kann man hier leider nicht wirklich ermitteln.

Hier punkten die kleinen Röstereien und Spezialläden ein weiteres mal. Diese verkaufen Packungen beim danen glücklicherweise das Datum der Röstung auf der Packung steht. Somit weiß man als Verbraucher, wie alt der Kaffee wirklich ist.

Ganze Bohnen oder Pulverkaffee kaufen

Jeder, der schon einmal frisch gemahlenen Kaffee gerochen hat, kennt die Antwort. Man sollte ganz klar ganze Bohnen kaufen. Denn so schnell wie dieser tolle Duft des frisch gemahlenen Kaffees verflogen ist, so schnell sind auch diese Aromen aus dem Pulver verschwunden. Wer seinen Kaffee erst kurz vor dem Zubereiten mahlt, darf auch das größt mögliche Geschmackserlebnis erwarten. Am Besten eignen sich zum mahlen des Kaffees Handmühlen. Diese gibt für kleines Geld in modernen Ausführungen zu kaufen.

Fazit

Wenn Du einen guten Kaffee möchtest, dann solltest du dich nach einer kleinen Rösterei umschauen, die eine Mischung nach deinem Geschmack herstellt. Für Filterkaffee solltest du Arabica-Bohnen wählen. Wer einen guten Expresso zubereiten will, der sollte die Robusta-Bohne wählen. Für einen Kaffee, den man nebenbei trinkt, reicht es, wenn man sich eine Packung Markenkaffee aus dem Supermarkt zubereitet. Hier sollte man verschiedene testen, um herauszufinden, welche Mischung einem am besten zusagt. Wenn man sich mal was gutes Gönnen möchte oder einfach gern einen guten Kaffee genießen möchte, der sollte sich den Kaffee im Internet direkt von der Rösterei oder von Spezialseiten kaufen.

Interessante Links zum Thema Qualität von Kaffee

1.) ZDF-WISO zum Thema Kaffeequalität
Kaffee teuer oder billig

2.) Ökotest vom Oktober 2012
Testbericht Kaffee

3.) Stiftung Warentest von 23.04.2009
Kaffeemarken im Test

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