Kaffee damals und heute Ein kleiner Ausflug in die Vergangenheit

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Kaffee ist das beliebteste Getränk der Deutschen. Fast 150 Liter trinkt ein Deutscher durchschnittlich im Jahr. Vom Bier gönnt sich der typisch Deutsche übrigens nur knappe 110 Liter pro Jahr! Doch war das schon immer so? Weiß heute noch jemand was ein Kaffeeschnüffler ist oder was es mit Erichs Dröhnung auf sich hat? Ein Vergleich zwischen Vergangenheit und Gegenwart deckt spannende Facetten des schwarzen Getränkes auf.

Kaffee und Gesundheit

Damals:

Bereits damals machte man sich Gedanken über die gesundheitlichen Auswirkungen von Kaffee. Das bekannteste Experiment, welches den Weg in die Geschichtsbücher gefunden hat, ist das Kaffeeexperiment des schwedischen Königs Gustav III vor rund 150 Jahren:

König Gustav war über die angeblichen Gefahren des Kaffeekonsums besorgt. Um herauszufinden, ob und wie gefährlich Kaffee ist, begnadigte er zwei zum Tode verurteilte Verbrecher. Im Gegenzug musste der eine jeden Tag viel Kaffee und der andere viel Tee trinken. Es ist nicht verwunderlich, das heute alle am Experiment beteiligte Personen gestorben sind. Zu erst sind die Ärzte gestorben, die das Experiment überwachen sollten. Kurz darauf der König (er wurde ermordet). Mit 84 Jahren ist der Teetrinker von uns gegangen und ganz zum Schluss – man weiß nicht wie alt er geworden ist – der Kaffeetrinker.

Natürlich sagt das Experiment nichts über die tatsächlich Wirkung von Kaffee auf unsere Gesundheit aus. Aber es zeigt, dass man sich auch schon damals Gedanken über die gesundheitlichen Auswirkungen von Kaffee gemacht hat. Eigentlich geht die Frage, ob und wie sich Kaffee auf die Gesundheit auswirkt bis ins Mittelalter zurück. Im 12./13. Jahrhundert wurden die Bohnen zu Heilzwecken angebaut. Damals hat man die Bohne aber noch ungeröstet zu sich genommen. Also so ähnlich, wie heute grüner Kaffee getrunken wird. Im 17./18. Jahrhundert kam Kaffee in Europa in Mode. Anfangs wurde er in Apotheken verkauft. Denn auch in dieser Zeit galt Kaffee noch als Arzneimittel. Wobei man ihn nun auch geröstet trank. In dieser entdeckten die Menschen wohl auch die genussvolle Seite des Kaffees.

Heute:

Und was ist mit heute? Kaffee ist ein Genussmittel und wird wegen seines Geschmacks und Aroma getrunken. Er wird als gesellschaftliches Mittel zur Gemütlichkeit genutzt. Eins der bekanntes Gemälde (Cafe Paris) des Maler van Gogh mag genau dieses widerspiegeln. Aber auch heute machen sie viele Menschen Gedanken über die gesundheitlichen Auswirkungen des Kaffeekonsums. Allerdings wissen wir heute, dass sich ein normaler Konsum von Kaffee nicht wirklich negativ auf die Gesundheit auswirkt. Im Gegenteil, er hat sogar eine Menge positive Wirkungen

Wirtschaft und Handel

Damals:

Damals durfte nicht jeder Kaffee einfach so anbauen oder damit Handel betreiben. Die arabische Welt hat ihr Kaffeeanbau- und Handelsmonopol streng gehütet. Um unliebsame Konkurrenz zu verhindern, wurden die rohen Kaffeebohnen mit heißem Wasser übergossen. So konnte man damals verhindern, dass die Kaffeebohnen keimen konnten. Dadurch war keiner der Handelspartner in der Lage, selber Kaffee anzubauen. Die Situation änderte sich im 16. Jahrhundert. Niederländer entwendeten einige Kaffeesträucher und pflanzten sie in ihren eigenen Kolonien an. Im 18. Jahrhundert breitete der Kaffee sich dann rund um den ganze Erdball aus.

Heute:

Ein Handelsmonopol gibt es schon lange nicht mehr. Fast überall wo es möglich ist wird Kaffee angebaut. Es sind über 25 Millionen Menschen mit den Anbau, Verarbeitung und Handel von Kaffee beschäftigt. Es werden im Schnitt 150 Millionen Säcke á 60 Kilogramm Kaffee geerntet.

Kaffee, Staat und die Steuer

Damals

In Deutschland wird seit 1680 Kaffee getrunken. Das braune Heißgetränk war zuerst ein teures Modegetränk und die bessere Gesellschaft trank ihn, um „en vogue“ zu sein. Doch im 18. Jahrhundert entwickelte sich Kaffee zu einem Alltagsgetränk, welches quer durch alle soziale Schichten getrunken wird. Man trank damals den Wachmacher in erschreckenden Mengen und löffelte Kaffee sogar als Suppen aller Art zu jeder Tageszeit.

Dieser wachsende Kaffeekonsum widersprach der preußischen Wirtschaftspolitik, die darauf ausgelegt war, möglichst wenig Güter zu importieren. Man wollte das Geld im Lande halten. Preußenkönig Friedrich der Große hatte gerade den Siebenjährigen Krieg hinter sich. Krieg ist teuer und der immer höher Kaffeekonsum schaffte da auch noch zusätzlich die Devisen außer Landes. Aus diesem Grund untersagte er die Einfuhr und den freien Handel mit Kaffee. 1766 durfte in Preußen nur noch der Staat selbst mit Kaffee handeln. Außerdem wurde Kaffee nachträglich zu den Luxusgütern eingeordnet und mit wahnwitzigen Steuern belegt. Wenn man den Kaffeekonsum nicht unterbinden kann, dann wollte man wenigstens daran verdienen. Das eigentlich Ziel war aber, dass das Volk Biersuppe statt Kaffeesuppe löffeln sollte um so die wirtschaftlich angegriffene Brauwirtschaft wieder in Fahrt zu bringen.

Doch das Volk zeigte sich wenig begeistert. Sie fingen an, den Kaffee in Sandfuhren, Strohschiffen, Kohlesäcke, in Biertonnen und sogar in Särgen unter den Leichen zu schmuggeln. Da der Preußenkönig dem Schmuggel nicht Einhalt gebieten konnte und die „Kaffeesteuer“ auch nicht wirklich etwas gebracht hat, ließ er folgendes verkünden:

Es ist allen und jedem verboten, in den Häusern oder irgend anderswo Kaffee zu brennen, und keinen anderen Kaffee zu führen als denjenigen von der General-Niederlagen in Paketen versiegelten und gestempelten Kaffee.

Er hat damit nicht nur den Handel sondern auch das Rösten von Kaffeebohnen verboten. Es durfte nur noch in staatlichen Röstereien Kaffee geröstet werden. Um das Gesetzt durchzusetzen wurden Kaffeeschnüffler eingesetzt, die durch die Straßen gingen um mit ihren Nasen auf die Jagen nach illegalem Kaffeeröstern zu gehen. Die Kaffeeschnüffler durchsuchten auf offener Straße die Taschen von Reisenden, drangen in Häusern ein und durften auch sofort entsprechende Strafen verhängen.

Die Kaffeeschnüffler waren die meist gehassten Menschen im Land. Doch trotz ihrer offenen Willkür und den zahlreichen Beschwerden wurden sie von Friedrich dem Großen im Amt gelassen. Erst sein Nachfolger entließ die Kaffeeschnüffler 1787 kurz nach dem Tod von Friedrich dem Großen aus dem Amt.

Heute:

Auch heute ist das Interesse des Staates am Kaffeekonsum seiner Bürger sehr groß. Natürlich gibt es kein staatliches Monopol mehr und man darf Kaffee ins Land einführen. Aber dank Kaffeesteuer konnte Deutschland im Jahr 2014 Steuern von über einer Milliarde Euro einnehmen.

Kaffee in der DDR

Wie fast alles, was man nicht selber anbauen konnte, so war auch der Kaffee in der damaligen DDR war Kaffee ein Luxusgut, dass man praktisch nicht erwerben konnte. Statt echtem Kaffee hat man der Bevölkerung einen Kaffeeersatz serviert. Dieser Kaffeeersatz schmeckte aber so widerlich, dass man lieber keinen Kaffee trank. Humorvoll nannte man dieses Getränk Erichs Dröhnung.