Wilder Arabica-Kaffee stirbt aus Klimawandel vernichtet wichtige Kaffeesorte

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Als Kaffeetrinker werden wir uns auf lange Sicht wohl ganz gewaltig umstellen müssen. Grund dafür ist der Klimawandel. Forscher aus England und Äthiopien haben gemeinsam die weltweite Verbreitung des Arabica-Kaffees kartiert und die Klimadaten für diese Gebiete ermittelt. Das Ergebnis ist erschreckend. Bis 2080 wird es wahrscheinlich durch die globale Erwärmung fast keinen wilden Arabica-Kaffee mehr geben.

Der Klimawandel macht auch vor uns Kaffeetrinkern nicht halt. In rund 70 Jahren könnte es schon soweit sein und der letzte wildwachsende Arabica-Strauch ist verschwunden. Grund dafür ist die globale Erwärmung. Das dem so ist, haben britische und äthiopische Forscher anhand von Verbreitungskarten und Klimamodellen festgestellt. Veröffentlicht wurde diese Studie im im Fachmagazin „PLoS One“. Dort kann man sich die Modelle und Verbreitungskarten anschauen.

Die Forscher berichten in dieser Studie, dass im günstigsten Fall bis zum Jahr 2080 65 Prozent der Gebiete, welche als Standort der wilden Arabica-Kaffeebohne in Frage kommen, verschwunden sind. Im schlimmsten Fall sind praktisch alle Standorte, an denen wilder Arabica-Kaffee wachsen könnte, dem Klimawandel im Jahr 2080zum Opfer gefallen. Dieser Verlust würde sich auch sehr stark auf die kommerzielle Kaffeeproduktion auswirken. Der Grund für die Auswirkungen auf den kommerziellen Anbau ist, dass diese Kaffeebohnen genetisch stark verarmt sind. Man braucht die Wildstämme als genetisches Reservoir. Soll heißen, dass man immer mal wieder die kommerziellen Sträucher durch Einkreuzung von Wildstämmen gegen neu auftretende Krankheiten, Umweltveränderungen sowie Schädlingen Abhärten muss.

Wie die Modelle ermittelt wurden

Für die Studie haben die Wissenschaftler zunächst kartiert, wo aktuell der wilde Arabica-Kaffee verbreitete ist. Anschließend haben sie die Klimadaten für diese Gebiete ermittelt. Arabica-Kaffee reagiert sehr sensible gegenüber Umweltfaktoren wie Wärme und Trockenheit. Er kann also nur bei bestimmten Temperaturen und Niederschlagsmengen gedeihen.

Mit Hilfe der gewonnenen Daten simulierten die Forscher anschließend, wie sich die für den Kaffee geeigneten Lebensräume klimatisch in den nächsten Jahrzehnten verändern werden. Als Basis verwendete man die drei Szenarien des Weltklimarates IPCC, in denen jeweils verschieden hohe Treibhausgas-Emissionen angenommen werden. Als Zeitstufe verwendete man die Jahre 2020, 2050 sowie 2080.

Arabica-Kaffee wird nach allen Modellen aussterben

Das Ergebnis der Klima-Simulation war in allen drei Varianten erschreckend. Die Population wird auf jeden Fall stark abnehmen. Im besten Fall, also bei einer gemäßigten Klimaerwärmung von nur 3,8 Grad Celsius bis 2100, sind die für den Arabica-Kaffee möglichen Gebiete bereits um 65 Prozent zurückgegangen. Im schlechtesten Fall – das wäre bei bis zu 6,4 Grad Celsius – sind 2080 bereits 99,7 Prozent der möglichen Standorte verschwunden.

Das wirklich schlimme daran ist, dass in vielen Regionen schon lange vor dem Jahr 2080 kein wilder Arabica-Kaffee mehr wachsen wird. Es wird Standorte geben, in denen diese Kaffeepflanze binnen 10 Jahren nicht mehr vorhanden sein wird.

Dazu kommt, das in den Prognosen der Mensch noch gar nicht mit einbezogen wurde! Man geht hier also von einer intakten Vegetation aus. Durch Eingriffe des Menschen, wie beispielsweise durch Brandrodung, wird sich die Lage noch deutlich verschlimmern.

Kaffee wird deutlich teurer werden

Die Kaffeesorte Arabica hat einen Anteil von 70% an der weltweiten Kaffeeproduktion. Wie ich bereits in meinem Ratgeber zum Kaffee kaufen berichtete, ist die Arabica-Kaffeebohne ein Qualitätsmerkmal für guten Filterkaffee. Wenn sich diese Klimamodelle bewahrheiten, werden die Preise für guten Kaffee in den nächsten Jahren stark nach oben schnellen.

Das die Preise stark steigen werden, liegt nicht nur daran, dass die Wildstämme verschwinden werden. Die Studie zeigt nämlich auch noch, dass einige der kommerziellen Anbaugebiete so warm werden, dass ein Anbau von Arabica-Kaffee auch trotz Bewässerung nicht möglich sein wird.

In vielen Anbaugebieten wird sich der Klimawandel aber schon lange vorher bemerkbar machen, sagen die Wissenschaftler. Bereits jetzt kann man Vielerorts die Auswirkungen des globalen Temperaturanstiegs sehen: Im Sudan sind viele Kaffeepflanzen beispielsweise heute bereits krank oder sogar schon abgestorben. Neue Keimlinge gibt es deutlich weniger. Im Sudan werde es bereits 2020 keinen wilden Arabica-Kaffee mehr geben.

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